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70 Jahre FWG an Lahn und Dill: Roland Esch, Erich Mohr, Wolfgang Hofmann und Frank Hintersehr.(Foto: Pöllmitz)

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Freie Wähler feiern Geburtstag

JUBILÄUM 70 Jahre Kommunalpolitik ohne Parteibuch und mit Selbstbestimmung

Solms-Burgsolms (hp). Die Freien Wähler an Lahn und Dill haben am Mittwochabend in der Burgsolmser Taunushalle ihren 70. Geburtstag gefeiert. Die Kommunalpolitiker ohne Parteibuch begingen den Anlass im würdigen Rahmen.

„Wer hat schon einen Zeitzeugen in seinen Reihen, der noch so detailreich und humorvoll über eine so lange Zeitspanne berichten kann?“, fragte der Vorsitzende der FWG Lahn- Dill, Wolfgang Hofmann. Der Solmser FWG-Vorsitzende Frank Hintersehr hieß die rund 100 Gäste willkommen, zu denen auch Landrat Wolfgang Schuster (SPD), die Kreistagsvorsitzende Elisabeth Müller (CDU), der 1. Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber (Grüne) und weitere Vertreter des Kreistags sowie Vertreter der Stadt Solms mit Bürgermeister Frank Inder-thal (SPD) an der Spitze gehörten.

Den historischen Part des Abends übernahm Ehrenbürgermeister Erich Mohr, der in seinem 90. Lebensjahr einen Rückblick auf 70 Jahre Entwicklung der Freien Wähler gab.

Mohr berichtete von Saalschlachten im Wahlkampf 1948, als viele junge Leute beim Aufbau Deutschlands helfen wollten und 1500 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Solms lebten.

Auch die Gebietsreform Anfang der 1970-er war Thema mit der Stadt Lahn und harten Kämpfen darum, wer mit wem eine Großgemeinde bildet. „Wir haben unsere Arbeit mit Weitblick an der Bevölkerung ausgerichtet und konstruktiv zusammen gearbeitet“, so Mohr.

Den Schritt in den Kreistag hatte der Frust in den Kommunen begründet, die sich der SPD-Mehrheit beugen mussten. Binnen fünf Wochen stand ein Wahlvorschlag, 500 Leute kamen in Rodheim zusammen, mit einem Autokorso wurde geworben und das Ziel erreicht.

Mohr erinnerte an Kooperationen und Koalitionen, die Arbeit von Wolfgang Hofmann, der 21 Jahre als 1. Beigeordneter wirkte und auch Horst Euler, der zurzeit als ehrenamtlicher Beigeordneter tätig ist.

„Was mich bedrückt, ist das nachlassende Interesse an kommunalen Themen und auch die Wahlmüdigkeit“, so Mohr.

Uwe Röndigs, Vorsitzender des Freiwilligen Zentrums Mittelhessen und Chefredakteur der Zeitungsgruppe Lahn-Dill, sprach unter der Überschrift „Freiwilliges Engagement zwischen Kommunalpolitik und Bürgerinitiativen“ die Wichtigkeit der Ehrenamtler an, die Unterstützung aus der Politik brauchen und im Freiwilligenzentrum Hilfe bekommen können.

„Das Ehrenamt wandelt sich, die Menschen wollen lieber projektbezogen arbeiten und brauchen deshalb Qualifizierung, neue Impulse, Netzwerke und Vermittler“, so Röndigs. Gerade in der Flüchtlingsarbeit komme dies zum Tragen.

Effektive Lösungen beim Thema Flüchtlinge gefordert

„Was sind die Aufgaben der FWG an Lahn und Dill?“, fragte Wolfgang Hofmann und gab auch gleich die Antwort: „Wir wollen verantwortlich an der kommunalen Selbstverwaltung mitwirken und stehen dafür ein, dass die Menschen unseres Kreises gesund, gut ausgebildet, materiell gesichert, in einer intakten Umwelt und kulturell bereichert leben können.“

Als Beispiel wurden die Flüchtlinge angeführt, die allenthalben die Menschen bewegen. „Unsere Herzen sind weit, unsere Möglichkeiten begrenzt“, zitierte Hofmann Bundespräsident Joachim Gauck. „Wir schaffen das“ sei keine Maxime. Man müsse für alle Seiten effektive Lösungen finden.

„Die Arbeit von Freiwilligen ist für uns von zentraler Bedeutung und muss entsprechend finanziell unterstützt werden“, so Hofmann. Dafür fehle allerdings die finanzielle Ausstattung durch Bund und Länder, die von den Freien Wählern eingefordert werde.

Weitere Stichworte waren die demografische Entwicklung, medizinische Versorgung und erneuerbare Energien. „Wir müssen die Menschen dazu bewegen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen“, forderte Hofmann.

Landrat Schuster setzte ebenfalls bei den Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund an, die er als Chance sieht. „Wir sind froh über 70 Jahre Frieden in Europa, aber Europa muss auch Belastungen gleichmäßig verteilen“, fordert der Landrat.

„Wir Freien Wähler können uns ohne Rücksicht auf höhere politische Ebenen dem Kerngeschäft an der Basis widmen und stehen für die kommunale Selbstverwaltung ein, die durch den neuen Kommunalen Finanzausgleich in Frage gestellt wird“, so der FWG-Kreisfraktionsvorsitzende Roland Esch. Er zeigte sich kämpferisch: „Wir werden eine bessere finanzielle Ausstattung vom Land fordern und im Zweifelsfall auch klagen.“

(Wetzlarer Neue Zeitung, 07.11.2015)

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