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Energie

Müll, Kompost oder Biogas

Ein Foto aus besseren Tagen: Die Trockenstabilatanlage auf dem Gelände der Deponie Aßlar, davor auf einem Tieflader Stabilatballen. (Foto: Archiv)

ESCH: ZUKUNFT DER HERHOF-GEBäUDE IST GESICHERT

Aßlar (gh).

Es tut sich was in den Gebäuden von Herhof auf dem Deponie-Areal in Aßlar. So das Wichtigste in der Mitteilung von Bürgermeister Roland Esch jüngst im Stadtparlament.

Nachdem die Herhof Trockenstabilatanlagen GmbH die Ausschreibung für die Müllentsorgung im Lahn-Dill-Kreis verloren hatte, wird das Firmengebäude geräumt, die Gerätschaft verkauft, werden die EVA (Energetische Verwertungs-Anlage) und die Inertstoff-Aufbereitungsanlage (INA) zurückgebaut. Die Behandlung von Stabilat ist nicht mehr. Ein Umstand, der die Angst schürte, dass dort eine Industrieruine entsteht.

Keine Sorge, versicherte Bürgermeister Esch, in der Halle wird sich etwas tun. Offen ist derzeit noch, was.

Die Stadt Aßlar überließ das Grundstück der Firma nur zum Zwecke des Betriebes einer mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (Trockenstabilat). Sollte das Areal für etwas anderes genutzt werden, so regelt der Vertrag, muss die Stadt zustimmen.

Nun will die Trockenstabilatanlage Aßlar GmbH & Co. KG eine Umschlaganlage für Rest- und Gewerbemüll im bestehenden Gebäude neu errichten - der bestehende Umschlagsplatz ist nur bis 2014 genehmigt - und zudem eine Kompostierungsanlage bauen und betreiben. Soweit ein Antrag bei der Stadt, der jüngst das Parlament beschäftigt hat.

Aber man könnte in den Bauwerken noch etwas anderes machen: Biogas. Zu dessen Herstellung könnte der Biomüll aus dem Lahn-Dill-Kreis genutzt werden, die Menge sei ausreichend, so Esch. Trotzdem sei man mit dem Kreis Limburg-Weilburg im Gespräch.

Und sollte dort der Lahn-Dill-Kreis allein - es stehen Investitionen von 20 Millionen Euro im Raum - oder mit einem Partner, zum Beispiel Herhof, Biogas produzieren, so würde Aßlar einen Teil abnehmen und für die "Laguna" nutzen. Überlegungen für eine Pipeline-Trasse gibt es, sie führt über etwa 5,5 Kilometer entlang von Feldwegen.

Man sei in "sehr konkreten Gesprächen" mit der Enwag in Wetzlar und der Betriebsleitung der "Laguna", in denen es auch darum geht, ob und wie weitere Abnehmer gefunden werden.

Auch eine Wartungshalle für Windräder sowie Kompost sind im Gespräch

Falls die Sache mit dem Biogas nicht klappt, könnte Plan B zum Tragen kommen: Herhofs Kompostierungsanlage. Aber auch dann könne Hausmüll weiter umgeladen werden, zudem wäre Platz für die Herhof-Schlosserwerkstatt, erklärt Esch. Darüber hinaus könnte gegenüber des Herhof-Gebäudes eine Wartungshalle für Windräder entstehen; der Windpark Aßlar ist im Kommen. Auch dafür gebe es Interessenten, versichert Esch. Aber dafür müsse man einen Bebauungsplan auflegen.

Also, so der Bürgermeister zufrieden, obwohl Stabilat-anlage, EVA und INA nicht mehr laufen, droht keine Industrieruine, sondern es gibt für das Gebäude zwei Optionen: Kompostierung und Biogas ? neben der Müllumladestation. Und eben die neue Wartungshalle.

Ein Planungsbüro sei an der Arbeit und überlege, wie das Ganze aussehen könnte. Fest stehe aber, dass sich zum einen alles im Gebäude abspielen würde und es zum anderen keine Geruchsbelästigung geben werde. Das Ganze sei im Rahmen des Klimaschutzkonzepts der Stadt ein Riesenfortschritt.

"Von außen ist nicht viel zu sehen, aber innen wird wieder produziert, es gibt Arbeitsplätze und es wird etwas Sinnvolles gemacht", so Esch, der klarstellt, dass der Schwerverkehr weiterhin über die separate Autobahnabfahrt fließen wird.

Im Dezember, schätzt er, könnte das Stadtparlament den Antrag beraten, vorausgesetzt der Kreis ist soweit. Wenn alles klappt, könnten die Arbeiten 2016 beginnen.

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung, 26.09.2013