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Die "Müllabfahrt" muss bleiben

Die separate Auf- und Abfahrt zur Deponie soll im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der A 45 verschwinden. So die Planung. Das Stadtparlament will aber erreichen, dass sie bleibt.

MAGISTRAT DER STADT AßLAR SOLL ALLE RECHTLICHEN MITTEL NUTZEN / PRüFAUFTRAG IN SACHEN WINTERRASENPLäTZE

Aßlar (gh). Noch bis ins Jahr 2060 – so die Schätzung der Abfallwirtschaft Lahn-Dill – kann die Deponie Material aufnehmen. Ein Datum, das die Aßlarer Stadtverordneten beschäftigt hat. Denn die separate Anbindung des Abfallwirtschaftszentrums zur A 45 – die sogenannte Müllabfahrt – könnte es dann nicht mehr geben. So zumindest die Planung des Bundes, der die Abfahrt im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der A 45 wieder „zurückbauen“ – will sagen beseitigen – möchte.

Allerdings ist diese Abfahrt Grundlage der Vereinbarung mit dem Lahn-Dill-Kreis/Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Lahn-Dill über die Nutzung des Geländes. Der Wegfall dieser Anbindung würde das Ende des Betriebes des Abfallwirtschaftszentrums bedeuten, und zwar vermutlich 2024, also deutlich vor 2060.

„Die Behelfsabfahrt trägt weiterhin im erheblichen Maße zur Entlastung der Stadt Aßlar durch den Schwerverkehr der Abfallfahrzeuge bei“, weiß die Vorlage zur Stadtverordnetenversammlung am Montagabend. Bereits jetzt sei der Durchgangsverkehr in der Kernstadt Aßlar und in Werdorf an seine Grenzen gekommen und werde nach derzeitigen Prognosen in naher Zukunft um noch mindestens 30 Prozent zunehmen.

Mehr Verkehr, wenn die Hochstraße noch wegfällt

Darüber hinaus steht in den nächsten Jahren der Neubau der B 49 im Bereich Wetzlar (Hochstraße) an. Nach ersten Entwürfen könnte die Hochstraße in der Stadt wegfallen und der Verkehr auch über die A 45/480 fließen, was zu neuen Belastungen der Anwohner in Aßlar und Wetzlar führe.

Unter diesen Umständen scheine es „zielführend“, im Rahmen des sechsspurigen Ausbaus der A 45 im Bereich Kreuzbachtalbrücke die bisherige Behelfsausfahrt beizubehalten und nicht, wie aus den Unterlagen ersichtlich, zurückzubauen. Sollte die Abfahrt bleiben, werde auch der Anschluss des Abfallwirtschaftszentrums über das Jahr 2024 hinaus gesichert.

Das Parlament beauftragte (nach FWG-Antrag) den Magistrat einstimmig, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um in jedem Fall den bislang geplanten Rückbau der Anbindung im Rahmen des sechsspurigen Ausbaus zu verhindern.

Nicht um Straßen, sondern um Sportplätze ging es in einem anderen Tagesordnungspunkt. Im Winter können die Fußballvereine nur bedingt auf Rasenplätzen kicken, weshalb der Bau von Kunstrasenplätzen als Alternative in den Fokus rückt. Bedingt durch die hohen Kosten und die ökologischen Nachteile eines Kunstrasens sollte man nach Alternativen suchen, so die Verwaltung. Zumal Kunstrasenplätze als eine der größten Quellen von Mikroplastik gelten und die EU ein Ausbringen des für Kunstrasen nötigen Granulats ab dem Jahr 2022 verbietet.

Ein Winterrasen scheint eine adäquate Alternative zu sein: Ein Platz, der mit einem speziellen Unterbau und Naturrasen ausgestattet und ganzjährig bespielbar ist. Die SPD-Fraktion reichte einen Antrag ein, in dem sie den Magistrat bittet zu prüfen, welche Flächen in der Stadt geeignet sind, um einen oder mehrere Winterrasenplätze zu bauen, und was das kostet.

Magistrat soll geeignete Plätze in der Stadt ermitteln

Auch Bündnis 90/Die Grünen fordert eine ausführliche Prüfung, da auch Winterrasenplätze aufgrund des hohen Pflegebedarfs (Bewässerung und Düngung) ökologisch bedenklich seien und es mittlerweile auch Alternativen zu Kunstrasenplätzen mit Plastikgranulat gebe. Auch sollen die Folgekosten für Winterrasenplätze abgeklärt und die Vereine gehört werden. Oliver Menz bat um die Beratung des Antrages im Bau- und Umweltausschuss.

Katharina Schäfer (FWG) ergänzte den FWG-Antrag dahingehend, dass er ja bisher nur ein Prüfantrag zur Errichtung von mehreren Winterrasenplätzen sei. Der Beschlussvorschlag wurde ergänzt. Das Parlament beschloss einstimmig, dass der Magistrat die Errichtung von Winter- und Kunstrasenplätzen ohne Plastikgranulat auf Sportstätten der Stadt prüft, feststellt, welche Flächen für Winterrasen taugen, was das kostet und wie hoch die Folgekosten wären.

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung, 13.09.2019