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Ein Polizist wird Bürgermeister

Dürfen in die zweite Runde: Christian Schwarz (l). und Markus Keiner

CHRISTIAN SCHWARZ (FWG) UND MARKUS KEINER (SPD) GEHEN IN AßLAR IN DIE STICHWAHL

Aßlar (gh, hp). Die 13 hat ihrem schlechten Ruf alle Ehre gemacht. Denn es war die 13. von 13 Schnellmeldungen (Briefwahl), auf die die rund 50 Gäste im Bornbergsaal der Stadthalle lange warten mussten. Gegen 21 Uhr war dann eines klar: Ein Polizist wird neuer Bürgermeister der Stadt Aßlar. Aber ob er Christian Schwarz (FWG, 47,4 Prozent) oder Markus Keiner (SPD, 21,5 Prozent) heißt, das wird die Stichwahl ergeben. Nun müssen die Aßlarer am 23. Juni nochmal an die Wahlurne.

Allzu voll war es nicht im Bornbergsaal, man hätte mehr „Schlachtenbummler“ erwartet. Aber auch bei der Wahlbeteiligung – es gab 10 136 Wahlberechtigte – in Höhe von 55,5 Prozent hätte man mehr erwarten dürfen.

Doch nun steht die Stichwahl an. Im ersten Durchgang am Sonntag hatte Schwarz schon von Anfang an vorne gelegen, hatte in nicht wenigen Bezirken über 50 Prozent der Stimmen eingefahren. Aber für den Sprung über die 50-Prozent-Marke im Gesamtergebnis hat es am Ende doch nicht gereicht.

Zweiter im Ring ist Markus Keiner mit fast 26 Prozent weniger. Ihm wiederum dicht auf den Fersen war der parteilose Neuling Tobias Grothe mit 16,7 Prozent. Und er wiederum ließ den erfahrenen Kommunalpolitiker Oliver Menz (Grüne) mit 10,4 Prozent hinter sich. Abgeschlagen landete FDP-Frau Martina Kahlert-Crema bei 4,0 Prozent.

Bei den Ergebnissen in den einzelnen Ortsbezirken fällt auf, dass der Bechlinger Keiner in seinem Ort stolze 58,6 Prozent geholt hat, ihm aber die anderen Lempgemeinden nicht recht gefolgt sind. Schwarz wiederum kam in seinem Wohnort Aßlar auf 52,7 Prozent und punktete auch in Berghausen mit 50,9 Prozent. Indes konnte Menz von seinen Wohnorten Berghausen und Werdorf mit 12,7 und 12,2 Prozent seinen Heimvorteil nicht ausspielen.

Dass der Mann von der FWG in Bermoll nur mit 17,2 Prozent bedacht wurde, dürfte am Streit um das DGH liegen.

Wie auch immer: Die Bürgermeisterwahl geht nun in die zweite Runde. Am 23. Juni wird sich entscheiden, wer Roland Esch bewerben wird.

Den Wahlausgang kommentieren die fünf Kandidaten für diese Zeitung wie folgt.

Stellungnahme der Kandidaten

Martina Kahlert-Crema: „Ich bin überrascht, denn wir sind in kürzester Zeit angetreten, waren immer nah dran und ich habe nicht mehr erwartet. Nun gehen wir gut gestärkt in die Kommunalwahl.“ Der Wahlkampf sei gut gewesen, es gab einen fairen Umgang miteinander in guter Atmosphäre. Kahlert-Crema gratulierte beiden zu ihrem Ergebnis und wollte sich nicht für einen entscheiden. „Für beide geht es jetzt weiter und schlussendlich entscheiden die Bürger, die jetzt vier Wochen Zeit haben, sich ein neues Bild zu machen.“

Tobias Grothe: „Ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Klar ist da Enttäuschung, dass ich es nicht in die Stichwahl geschafft habe. Doch ohne große Vorbereitung mit heißer Nadel gestrickt war es aber auch eine tolle Erfahrung, die ich jetzt sacken lassen muss.“

„Der Wahlkampf war extrem anstrengend, weil ich alles alleine gemacht habe. Flyer gestalten, an jeden Haushalt verteilen – alles ist in Eigenleistung geschehen und ich war teilweise nachts unterwegs. Der persönliche Wahlkampf war mir wichtig, deshalb habe ich auch Hausbesuche gemacht – ich schiebe mich nicht gerne nach vorne.“

Er würde gerne Markus Keiner vorne sehen. „Ich finde zwar beide sehr sympathisch, aber Aßlar könnte einen Tapetenwechsel vertragen.“

Christian Schwarz: „Ich bin absolut begeistert. Mehr als 47 Prozent bei fünf Bewerbern sind schon eine starke Zahl. Vier Wochen bis zur Stichwahl sind eine lange Zeit, in der ich mit dem Team Christian weiter Wahlkampf machen werde, um Bürger, die mich gewählt haben, noch einmal zu mobilisieren und die anderen zu überzeugen, dass sie mich wählen. Wir haben uns am Anfang einen Plan gemacht, den wir auch durchziehen konnten. Es war ein sehr fairer Wahlkampf, in dem jeder seine Stärken herausstellen konnte.“

Oliver Menz: „Für mich persönlich ist das Wahlergebnis enttäuschend – ich hatte mir mehr versprochen, aber ich finde es gut, dass es zu einer Stichwahl kommt.“ Auf einen Favoriten wolle er sich nicht festlegen.

„Es war ein fairer Wettbewerb, dessen Ausgang ich respektiere und die Wähler entscheiden am Ende. Ich wünsche beiden nach einer anstrengenden Zeit noch gutes Durchhaltevermögen.“

Markus Keiner: „Das Wahlergebnis überrascht mich nicht. Ich wusste, es wird ein hartes Ringen gegen Christian Schwarz und auch die anderen Kandidaten waren nicht zu unterschätzen. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Was die nächsten vier Wochen angeht, stellt er fest: „Ich habe ja auch noch einen Beruf, dem ich mich jetzt erst einmal wieder widmen werde. Dann mache ich noch einmal frei, um bei den Bürgern vorzusprechen.“ Der Wahlkampf war sehr fair, es ging immer um sachliche Themen und es gab keine persönlichen Angriffe. Man kennt und respektiert sich. Keiner abschließend: „Die Karten werden jetzt neu gemischt, der Bürger bildet sich eine neue Meinung und wir werden sehen, wie es nach der Stichwahl aussieht.“

Also dann: Weiter geht’s!

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung, 27.05.2019

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